Gut, aber nüchtern bis profillos

Vor mir liegt das Motorrad Heft 03 2019 mit einem mehrseitigen Artikel über die seit 2008 schwindenden Marktanteile von Suzuki im Motorradsektor. Ich finde der Autor René Correra hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt und viele Sachverhalte professionell und nachvollziehbar recherchiert.
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Jede Menge Profil auf der V-Strom 1000 ;-)

Als V-Strom Fahrer sticht für mich allerdings ein Satz auf Seite 51 heraus. René schreibt die V-Strom 1000 sei "Gut, aber nüchtern bis profillos". So ähnlich habe ich das auch schon in anderen Artikeln der gleichen Zeitung gelesen.
Diesen Punkt sehe ich anders als die Motorrad Redaktion. Für mich ist die V-Strom 1000 das fast ideale Motorrad, denn es ist profiliert. Es ist profiliert für mich als "Normalfahrer", der damit alleine und zu zweit auf Tour geht.


Der absolute Geldbetrag für die V-Strom ist für mich zwar nicht mal eben schnell aus dem Ärmel geschüttelt, aber im Vergleich zu den Mitbewerbern doch wieder attraktiv.


Dafür gibt es weniger aktuelle Technik im Display als bei Kawasaki Versys (toll gemacht!) oder einer BMW GS bzw. RT. Aber für den Preis bekomme ich einen ausgereiften, langlebigen V2 Motor, den ich bei meinem durchschnittlichen Fahrvermögen allenfalls mal zum überholen auf der Landstraße voll aufdrehe. Mehr Motorleistung würde mir nicht wirklich etwas nutzen, da ich nicht so gut fahren kann wie die Profis aus der Motorrad-Redaktion.


Außerdem finde ich es schön, dass ein V2 unter mir vibriert dessen Zylinder nicht rechts und links aus dem Motorrad herausstehen.
Suzuki schreibt irgendwo im Prospekt, dass deren Ansicht nach das Verhältnis von Gewicht zu Leistung bei der 1000er ideal sind. Das ist auch tatsächlich meine Erfahrung mit der Maschine. Vielleicht gibt es bei Suzuki einfach kein Budget, um beim PS Wettrüsten mitzumachen, vielleicht ist es tatsächlich eine bewusst getroffene Entscheidung. Jedenfalls ist das so für mich genau richtig und trifft meine Kundenerwartung.


Mit einem höheren Sattel habe ich eine für mich angenehme Sitzhöhe von 88cm und auch der Soziaplatz ist geräumig dimensioniert - Einschränkung: So lange man die Alu Seitenkoffer nicht dranbaut. Dann wird es hinten unbequem, da die Oberschenkel auf den Koffern aufsitzen. Die - wenn auch teuren - Suzuki Hartschalenkoffer sind daher die bessere, wenn auch vom Volumen knappere Wahl für die V-Strom.


Die Africa Twin hätte mit der Adventure Sports zwar sogar bis zu 92cm Sitzhöhe im Angebot, aber Honda verlangt bei diesem deutlich teureren Sondermodell - mit tollem, großem Tank - unter anderem auch nochmal etwa einen Hunderter extra für Sozia-Fußrasten. Eine - wie ich finde - neue Dimension von Aufpreistaktik.


Klar, ich hätte bei der V-Strom gerne
  • etwas mehr Displayzauber mit Bluetooth-Verbindung und Google Maps oder TomTom Integration
  • schönere Serien-Blinker
  • Alukoffer die auch für den Soziabetrieb geeignet sind. Ich würde sogar die Größeren haben wollen
  • attraktivere Preise für das Originalzubehör
  • den kleinen Plastikdeckel zur Abdeckung der Schraube vom Lenkkopflager, aber ok die 7 Euro für einen Plastik-Pfennigartikel habe ich dann auch noch.

Insgesamt ist es aber dann eben doch: Mein Kundenprofil.


Die Ansprüche der Motorrad Redaktion (auch in anderen Artikeln) an die V-Strom weichen von meinen Ansprüchen als Kunde ab. Während also andere Marken ggf. danach heischen redaktionell im besten Rampenlicht zu stehen sage ich als Kunde: Suzuki setzt bei der V-Strom meist die Kundenbrille auf; was ich sehr schätze.